Junge Zuwanderer als Reporter in ihrer neuen Heimat

„Zeigen, was in uns steckt“

„… jeder Mensch soll eine respektvolle Behandlung erfahren.“, „…ein Leben ohne Krieg und Angst…“, „eine Umwelt ohne Rassismus“, „ein Leben in Frieden, damit Menschen ihre Visionen verwirklichen können…“ Dies sind einige der Wünsche der acht jungen Zuwanderer, die seit kurzem in Hagen leben und hier eine Förderklasse besuchen.

Aufgeschrieben haben sie diese Wünsche in einem selbstgestalteten Magazin.

Entstanden ist dieses Magazin im Verlaufe eines Projektes, das von der Werkhof gem. GmbH in Kooperation mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg im Rahmen der Jugendwerkstatt (nach Kinder- u. Jugendförderplan des Landes NRW) durchgeführt wurde. „Das ist unser Leben in Hagen“ lautet der Titel des 80-seitigen Heftes, das von den Schülerinnen und Schülern der Internationalen Förderklasse über einen Zeitraum von drei Monaten erarbeitet wurde. Gabriele Schwanke vom Quartiersmanagment der Stadt Hagen hat mit der Projektberatung und der Finanzierung aus Mitteln des Sonderprogramms NRW „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ dieses Projekt ermöglicht.

Das Ergebnis enthält sehr persönliche Schilderungen junger Menschen, die aus unterschiedlichen Teilen der Welt in Hagen angekommen sind. Zukunftsvisionen treffen dabei auf Herkunftsgeschichten: Mit ihren Träumen, Wünschen und ihren ganz persönlichen Gedanken wollen sie andere ermutigen, einander auch ihre eigenen zu erzählen. Zugleich wollen die Heftmacher anderen jungen Menschen, die aus aller Welt nach Hagen kommen, mit hilfreichen Informationen eine erste Orientierung in der neuen Umgebung geben. Dazu besuchten sie quasi als „Reporter“ verschiedene Orte und Institutionen in ihrer neuen Heimat: Das Theater, ein Museum, ein Jugendzentrum, das FunWerk und vieles mehr. Ihre Eindrücke und die gesammelten Informationen schildern sie in dem Heft.

Selbstvertrauen gestärkt

Von dem Projekt profitierten aber auch die Teilnehmer selbst ganz erheblich: Sie hatten nicht nur viel Spaß bei der Arbeit, sondern konnten auch ihre Deutschkenntnisse stark verbessern. Vor allem aber wurde das Selbstvertrauen der jungen Migranten durch die intensive Zusammenarbeit in den drei Monaten gestärkt: Die Gruppe aus sehr unterschiedlichen Charakteren ist nicht nur zusammengewachsen wie eine große Familie, sondern lernte, dass jede und jeder von Ihnen einen wertvollen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann. Die Teilnehmerin Lara aus dem Irak fasst das so zusammen: „Wir sind nur so weit gelangt, weil wir eine Gemeinschaft geworden sind – darauf sind wir stolz!“ Und Mohammed aus Somalia ergänzt: „Das Projekt hat uns gezeigt, was in uns steckt. Vorher wussten wir nicht, dass unser Alltag und unser Humor auch andere Menschen interessieren könnte.“

Persönliche Perspektiven

Die Jugendwerkstatt im Werkhof ist traditionell ein Ort für junge Menschen mit Migrationshintergrund und unterstützt sie bei ihrer beruflichen wie sozialen Orientierung. Bei diesem Projekt stand in besonderer Weise die Partizipation der Jugendlichen im Vordergrund. Die kreative Arbeit des Fotografierens, der Besuch der verschiedenen Orte in Hagen sowie letztlich die gemeinsame Zusammenstellung als Gesamtwerk, dienten den Jugendlichen für eine ganz

neue Selbsterfahrung. Texte und Inhalte wurden hierbei nicht im Sinne politischer Korrektheit zurechtgerückt: Den Jugendlichen sollte Raum geboten werden, um ihre ganz individuellen Sichtweisen und Erfahrungen darstellen zu können. „Unsere eigenen Erfahrungen mit diesem Projekt waren nachhaltig beeindruckend“, sagt Ralph Osthoff, Geschäftsführer der Werkhof gem. GmbH. „Wir konnten miterleben, wie aus einer bunten und turbulenten Gruppe junger Menschen ein engagiertes und hochmotiviertes Redaktionsteam wuchs, dass mit viel Freude diese Broschüre

erstellte und dabei die Perspektive für die eigene Zukunft schärfte.“