Der Künstler, der aus alten Möbeln einzigartige Kunstwerke macht.

Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht. „Ich habe schon als Kind gerne gemalt, zum Leidwesen meiner Eltern. Sie mussten wohl öfter mal renovieren, weil ich meine Kunstwerke auf Tapeten und Möbel gemalt habe.“

„Sobald ich einen Zeichenstift in der Hand halte, verspüre ich den Wunsch, diesen Stift zu benutzen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dies einmal anders war in meinem Leben.“

Dimitri Wall sitzt mir in der Werkhof-Kantine gegenüber. Wenn er spricht, dann muss ich mich konzentrieren, denn das Gemurmel der anderen Kunden im Hintergrund übertönt seine Stimme. Nicht, weil es so laut ist, sondern weil Dimitri ein leiser und stiller Mensch ist. Er spricht nicht mehr als nötig ist und wirkt in sich gekehrt.

Ich muss ihm Fragen stellen, damit er etwas von sich erzählt. Frage ich nichts, dann sitzen wir schweigend voreinander.

Warum ich hier mit ihm sitze? Ich möchte ihn kennenlernen, mehr über den Künstler Dimitri Wall erfahren. Im Werkhof ist er schon lange als Künstler bekannt und er hat schon so einige Möbelstücke mit seiner Kunst zu kostbaren Einzelstücken gemacht.

Ich selbst bin aber erst durch eine Kreidezeichnung auf der Kantinenwand auf ihn aufmerksam geworden. Dimitri hat Popeye in Übergröße mal eben so dorthin gemalt, das hat mich fasziniert und neugierig gemacht. Ich habe ihn über Facebook angeschrieben, ob wir uns mal treffen könnten. „Ja klar.“ schreibt er zurück. Kurz und knapp. Eine typische Dimitri Antwort.

Und nun sitzen wir hier. Ich erzähle Dimitri, dass ich gerne eine Geschichte über ihn schreiben möchte für unseren Werkhof-Blog und dabei gerne auch Fotos machen würde. Er lächelt wieder. „Das finde ich gut.“ ist alles was er dazu sagt.

Während wir in der Kantine am Tisch sitzen fängt er an zu zeichnen. Eine Vorlage für den nächsten Schrank. Normalerweise braucht er keine Vorskizze, aber fürs Foto stellt er eine her.

Ich fotografiere ihn währenddessen und stelle meine Fragen. Wie alt ist er? Wo ist er geboren? Wo hat er das Malen gelernt?

Dimitri erzählt, dass er 1977 in Sibirien geboren ist. Schon als Kleinkind hat er am liebsten nur gemalt. „Sobald ich einen Zeichenstift in der Hand halte, verspüre ich den Wunsch, diesen Stift zu benutzen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dies einmal anders war in meinem Leben.“

Schon mit elf Jahren ist er dann auf eine Kunstschule in Kemerowo gegangen. Von 1988 bis 1994 lernte er dort und begann danach ein Studium an der regionalen Kunsthochschule. Im Oktober 1995 stand der Umzug nach Deutschland an. Hier hat er von 1998 bis 2001 eine Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten absolviert, später dann noch eine Ausbildung zum Industrie-Mechaniker gemacht und seit 2011 ist er Freier Künstler und Möbeldesigner. Im Kunstverein Iserlohn ist er ebenfalls Mitglied.

Zum Werkhof kam er 2010 über eine Maßnahme des Jobcenters Märkischer Kreis. Bei Möbel&Mehr bemalte Dimitri Wall seinen ersten Schrank. Die Begeisterung ließ ihn nicht mehr los. Und so malt er auch heute noch seine Kunstwerke auf Möbel beim Werkhof. Jedes Möbelstück wird so zu einem wertvollen Unikat.

Das ist aber nicht alles. Der begabte Künstler kreiert Skulpturen, malt fantastische, meist sehr farbenfrohe Bilder, darunter auch Landschaftsbilder und Portraits. Er peppt „alte Ölschinken“ mit Comicfiguren auf und kann sogar tättowieren. Comics erinnern ihn am meisten an seine Kindheit in Russland, deshalb malt er diese am liebsten.

In seiner Vorskizze, die er während unseres Gesprächs zeichnet, verbindet er Zeichentrick-Comics mit PopArt. Seine Bildideen hat er im Kopf oder er holt sich Inspirationen aus dem Internet. Den Wünschen der Kunden geht er bei Aufträgen nach.

Sein nächstes Projekt ist ein großer dreitüriger Kleiderschrank. Dieser ist kein neuer Schrank, sondern ein recycelter Schrank aus der internen Werkhof-Schreinerei. Dieser wurde dort wieder aufbereitet, weiß lackiert und soll nun zu einem Kunstwerk fürs Schlafzimmer werden.

Daraufhin begann er direkt auf dem Schrank mit der Vorzeichnung. „Normalerweise benötige ich so ein bis zwei Stunden für ein Gemälde, aber das hier könnte 15-20 Stunden dauern“, sagt er. Er fing an mit Aquarellfarbe die Comics auszumalen und mit Schattierungen und Farblösungen Leben in sie hinein zu malen.