„Wir sind sehr stolz auf unsere Ausbildungs- und Trainingsstation“, beginnt Mandy Baltzer (kleines Bild) ihren Satz, und der Stolz ist der Maler- und Lackierermeisterin auch deutlich anzusehen. Als Leiterin der Fachabteilung „Maler und Lackierer“ beim Werkhof Hagen ist sie unter anderem zuständig für die Ausbildung in diesem Gewerk im Hause. Sie weiß aus Erfahrung: „So etwas dürfte innerbetrieblich eher selten in den Malerbetrieben zu finden sein.“

Die Ausbildungs- und Trainingsstation besteht im Wesentlichen aus einer so genannten Übungskabine mit den Abmessungen 1,20 x 1,60 x 2,30 Metern. Sie enthält auf kleinem Raum alle Elemente, mit denen die Handwerker bei ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden. Die angehenden Maler und Lackierer sollen daran die richtigen Handgriffe und Vorbereitungen trainieren sowie Erfahrungen im Umgang mit Materialien und schwierigen Stellen sammeln, bevor sie mit echten Aufgaben betraut werden. Übungskabinen dienen auch dem Nachweis der praktischen Fähigkeiten während der Prüfungen. Daher findet man sie üblicherweise eher in außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen. Und eben auch im Werkhof.
Die Idee zu dieser Kabine entstammt einer eher unglücklichen Situation, die sich im Laufe des Corona-Jahres 2020 aufgrund von Terminverschiebungen, personellen Engpässen und den zeitweisen Schließungen ergeben hatte, von denen auch der Werkhof betroffen war. Dadurch kam es dazu, dass ein Auszubildender seine Zwischenprüfung bei der Handwerkskammer in einer Übungskabine absolvieren musste, bevor er Gelegenheit hatte, sich zur Vorbereitung mit einer solchen vertraut zu machen.
„Diese Konstellation war denkbar ungünstig. Wir waren uns einig, dass wir derartige Situationen gerne zukünftig verhindern möchten“, beschreibt Mandy Baltzer die Geburtsstunde des Projektes. Für sie und ihren Kollegen Sven Roswora, ebenfalls Maler- und Lackierermeister und unter anderem zuständig für die Vermittlung theoretischer und praktischer Inhalte, stand fest, dass etwas unternommen werden musste. Eine eigene Übungskabine musste her! Sie erinnerten sich an die eigene Ausbildungszeit und die seinerzeit vorhandenen Übungskabinen. Gemeinsam entwarfen sie am Reißbrett eine Konstruktion, die sie anschließend Holger Peetz vorstellten, zu dieser Zeit Leiter der Werkhof-eigenen Tischlerei. Denn dort sollte die Übungskabine gebaut werden.
Holger Peetz war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Auch er bildet seit Jahren erfolgreich aus, fördert Jugendliche und Azubis. Er machte sich an die Umsetzung des Entwurfs und hatte auch noch die ein oder andere Idee, mit denen die Übungskabine realitätsnäher und somit auch etwas kniffliger gestaltet werden könnte. „Mein Motto lautet ‚keine halben Sachen‘“ so Peetz. Er fügte der Kabine unter anderem Elemente wie Fußleisten, Fensterbank und Fensterbankunterbau, Tür- und Fensteröffner sowie angedeutete Fensterscheiben hinzu.
„Schon beim ersten Einsatz bewährte sich die Übungskabine“, schildert Mandy Baltzer ihre Erfahrungen. Seit nunmehr fast sechs Jahren wird die Kabine eifrig genutzt, denn die Fachabteilung „Maler und Lackierer“ bildet regelmäßig Nachwuchs aus oder schult um. „Diese durch unsere engagierten Kollegen entstandene Übungsgelegenheit zeigt, was man durch Eigeninitiative und Herzblut gemeinsam erreichen kann“, freut sich Mandy Balzer. „Typisch Werkhof eben.“

Holger Peetz (l.) und Sven Roswora in der gerade fertiggestellten Übungskabine. Holger Peetz ist inzwischen im Ruhestand. Sven Roswora ist nach wie vor im Werkhof tätig, wo er derzeit einen Auszubildenden und einen Umschüler unter seinen Fittichen hat.

Übungskabinen sind ein wichtiges Element der Ausbildung in den Malerberufen. Hier lernen die angehenden Maler- und Lackierer*innen , sich vorzubereiten und planvoll an die gestellten Aufgaben heranzugehen.